Anmerkungen: Diese Geschichte wurde von mir frei erfunden, eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und wurden nicht beabsichtigt. Feedback kann an LadySet@gmx.net gesendet werden, ich freue mich über jeden Kommentar, positiver oder negativer Natur, denn nur so kann ich aus vorhandenen Fehlern lernen.

Das Experiment

von Belladonna

 

~Prolog~

 

Wissenschaft ist etwas, das unser Leben in vielem erleichtern kann. Wissenschaft hat uns viele Errungenschaften des modernen Lebens gebracht, Kleinigkeiten, die für uns so unscheinbar sein mögen, doch ohne die Wissenschaft und die Forschung, welche dahinter steckt niemals ermöglicht worden wären.

Und doch, so sehr wir diesen Fortschritt, den wir mit der Wissenschaft erringen für ein Geschenk Gottes halten, so maßen wir uns im selben  Maße an, selbst Gott zu spielen.

Wie oft stecken wir unser eigenes Gewissen zurück, das was wir für richtig oder falsch halten verbannen wir in die hinterste Ecke unseres Verstandes, so dass sie uns bei unserer Arbeit nicht stören, womöglich sogar an ihr hindern.

Wie leicht fällt es uns da, diese beiden Seiten zu vertauschen, die uns von Torheit abhalten oder uns zu ihr geleiten; diese feine Grenze zwischen Anmaßung und Eitelkeit zu Rechtschaffenheit und innerem Seelenfrieden verschwimmt zuweilen.

Mit der Wissenschaft kann unser Weg durch das Leben einen wesentlich leichteren Pfad gehen, doch zur gleichen Zeit steigen wir lediglich über die Steine hinweg.

Doch die Wahrheit über die Richtigkeit unseres Tuns liegt nicht hierin, sondern tief darunter, unter dem Mantel der Wirklichkeit, Rechtschaffenheit und Unmoral verborgen.

Und die Wirklichkeit, die Realität ist damit noch lange nicht enthüllt.

 

~Kapitel 1~

 

Es war dunkel, als er erwachte. Der Mann öffnete benommen die Augen und wollte sich an seinen schmerzenden Schädel greifen, doch er mußte feststellen, daß er seine Arme nicht bewegen konnte. Diese Tatsache ließ seinen noch etwas benebelten Geist schnell klar werden und er rüttelte an seinen Gelenkfesseln, die ihn straff an einen Tisch fesselten. Der Mann mußte ebenfalls die bittere Erkenntnis machen, daß er nicht nur an den Handgelenken die Fesseln trug, sondern auch an den Füßen. Enttäuscht ließ er sich auf den Tisch zurücksinken und versuchte sich in dem Halbdunkel, das ihn umgab, zurechtzufinden. Seine Augen hatten sich schnell an das diffuse Licht gewöhnt, so daß er erkennen konnte, daß er sich in einer Art Laboratorium befand. Das wenige Licht, daß den Raum in ein düsteres Halbdunkel verwandelte, kam von vielen LED-Anzeigen, die von vielen Computerterminals stammten. Diese Terminals mußten sich an der Wand befinden, jedenfalls vermutete der Mann dies, konnte jedoch nur die vielen Lichter sehen, die blinkten und ein leises Geräusch hören, das vermutlich ebenfalls von Computern zu stammen schien. Am anderen Ende des Raumes, der einzige Teil des Labors, das von einer Lampe in der Ecke erhellt wurde, stand ein Mann in einem weißen Kittel, der ein Wissenschaftler oder ein Arzt sein mußte. Er drehte dem Mann auf dem Tisch den Rücken zu und machte sich Notizen auf einem Klemmbrett. Gelegentlich kontrollierte er die Anzeigen auf dem Computer und betätigte einige Schalter an einem Terminal, daß wie der Mann erkennen konnte, sich tatsächlich an einer Wand befand. Der Mann auf dem Tisch wandte den Blick von der Ecke ab und versuchte noch etwas anderes zu erkennen, doch alles was er sah, waren Schatten und schemenhafte Umrisse von Ständern, die sich in einer Ecke befinden mußten. Er glaubte in der Ecke eine Person stehen zu sehen, sah eine Zigarette glimmen, oder täuschte ihn nur das Halbdunkel und die Lichter. Als er sich zu konzentrieren versuchte, war nichts mehr zu sehen. Er konnte ein leises Piepen hören und drehte den Kopf wieder in Richtung des Mannes mit dem weißen Kittel. Dieser hob den Kopf und sah auf einige Anzeigen an der Terminalwand und löschte den Alarm. In der einen Hand das Klemmbrett haltend ging er auf den Liegenden zu und legte den Lichtschalter an der Wand um. Augenblicklich strahlten zwei Operationslampen über dem Tisch auf dem der Mann lag und blendeten ihn direkt. Über ihm gingen ebenfalls die Lampen an und erhellten den Raum. Der Mann war geblendet, konnte nur noch in der Ferne eine Tür zufallen hören, sah aber für den Moment nichts. Er schloß die Augen. Der Mann im weißen Kittel stellte sich direkt vor den Tisch und drehte die Operationslampen weg, die daraufhin erloschen.

“Sie können die Augen wieder öffnen, das Licht ist aus”, sagte der Mann leise. “Ich weiß, daß Sie wach sind.”

Der Mann blinzelte, kniff die Augen zusammen, die sich erst noch an die Helligkeit gewöhnen mußten. Stumm sah er sich zuerst den Mann im weißen Kittel an, dann an ihm vorbei ins Laboratorium. Er erkannte, daß er sich tatsächlich in einem Labor befand und sah auch die Wände an denen die Computerterminals standen. Außerdem konnte er einen Tisch neben seinem erkennen, auf dem ein weiterer Mann lag, der noch bewußtlos zu sein schien. Der Mann wandte seinen Blick wieder dem Mann vor ihm zu. Es schien ein Arzt zu sein, das Namensschild auf der Brust seines Kittels wies ihn als Dr. Jonas aus. Neben dem Ausweis, der von der Brusttasche baumelte, sah er eine Doppelhelix der DNA, das Zeichen einer Biotechnologiefirma.. Er war ein Mann, der etwa Anfang bis Mitte dreißig war, relativ jung für einen Wissenschaftler, kurzes dunkelblondes Haar hatte, daß sich jedoch bereits an den Schläfen zu lichten schien, und seine braunen Augen hinter einer Lesebrille versteckte. Jonas entfernte die beiden Kontaktelektroden, die sich links und rechts an den Schläfen des Mannes befanden und legte sie ebenso wie zuvor sein Klemmbrett auf einen Metalltisch, der sich neben dem Diagnosebett befand. Der Mann hatte die Elektroden zuvor nur als kalte Stellen wahrgenommen, registrierte sie erst jetzt bewußt. In ihm brannte jedoch nur eine Frage, die nach dem Grund für seinen Zustand.

“Was wollen Sie von mir, was ist das für ein Ort!” forderte der Mann Jonas auf zu erklären, seine Stimme klang rauh und heiser.

“Mein Name ist Dr. Jonas, ich bin Arzt”, sagte Jonas in beruhigendem Tonfall. “Es besteht kein Grund sich aufzuregen, Ihnen wird nichts geschehen.”

Der Mann hatte nicht das Gefühl, Jonas würde ihm die ganze Wahrheit sagen und blickte ihn argwöhnisch an.

“Was wollen Sie von mir?” wiederholte er seine Frage, diesmal verlieh er seiner Stimme etwas mehr Nachdruck als zuvor, außerdem wurde er etwas lauter. Jonas schien davon unbeeindruckt, er nahm sein Klemmbrett, daß ein Interface zum Computerterminal war, und kontrollierte die Daten, veränderte die Einstellungen, die durch das Entfernen der Elektroden auf den Nullpunkt gesunken waren. Er wählte offensichtlich eine andere Übertragungsquelle für die Biodaten und legte dann das Interface beiseite. Jonas wandte sich nun seinem Patienten zu.

“Wenn sie sich beruhigen, werde ich Ihnen alles erklären...”

“Binden Sie mich los! Ich verlange Antworten!” zischte der Mann und begann an seinen Fesseln zu rütteln. Er bäumte sich auf, versuchte die Fesseln zu lösen. Jonas zuckte zurück und wahrte erst einmal eine gewisse Distanz zum Diagnosetisch, die Anzeigen auf seinem Interface schnellten in die Höhe. Jonas atmete nervös durch und versuchte den Mann wieder zu beruhigen.

“Ich werde Ihnen alles erklären”, sagte er zögernd, wobei er Abstand hielt. Er schien sich vor irgend etwas zu fürchten. Er fügte leise hinzu:” Sofern ich dies für Sie begreiflich machen kann.” Lauf fuhr er fort zu erzählen, daß sich der Mann wieder beruhigen sollte, er werde ihm Antworten liefern. Jonas holte sich sein Interface wieder und kontrollierte die Anzeigen. Dann betätigte er eine Taste am Tisch und die Fesseln an den Handgelenken schnappten auf, ebenso wie die an den Füßen. Jonas wahrte sicheren Abstand zu dem Mann, der sich die Handgelenke rieb, die von den Fesseln rötliche Streifen aufwiesen. Er setzte sich auf. Jonas zögerte noch immer, er war sich nicht ganz sicher, ob seine Entscheidung richtig gewesen war, doch er mußte das Risiko eingehen, es war notwendig. Der Mann schwang seine Beine vom Tisch und wollte aufstehen, seine Knie versagten ihm jedoch den Dienst, so daß er sich an der Kante abstützen mußte.

“Sie sind noch zu schwach um aufzustehen”, ermahnte ihn Jonas und wollte ihn wieder dazu bewegen, auf die Diagnoseliege zurückzukehren. Doch das kurze Schwindelgefühl war verschwunden und der Mann straffte seine Gestalt.

“Nein!” sagte er bestimmt und sah sich um. “Ich verlange endlich zu wissen, wo ich bin, was Sie von mir wollen und wieso Sie, was auch immer, mit mir gemacht haben.”

Jonas wirkte noch immer unschlüssig, stand einfach nur da und schwieg, wobei er den Mann mit dem Blick eines Biologen, der ein Studienobjekt von seltenen Mikroben unter dem Mikroskop betrachtete, musterte. Dann traf er seine Entscheidung.

“Sehen Sie sich um, finden Sie es selbst heraus”, meinte er dann und trat beiseite, so daß der Mann einen Blick auf den anderen Tisch werfen konnte. Neugierig aber auch vorsichtig ging der Mann auf den zweiten Diagnosetisch zu und blieb dann wie erstarrt stehen. Er spürte, wie sich ein seltsames Gefühl in seinem Magen ausbreitete. Er zögerte den Mann, der ebenso festgeschnallt auf dem Tisch vor ihm lag wie er zuvor, anzusehen, doch er mußte es tun und hätte es lieber nicht getan. Denn der Mann, der auf dem Tisch bewußtlos lag hatte kurze blonde Haare, eine blonde Strähne, die ihm in die Stirn fiel, verdeckte die Narbe über der linken Augenbraue und am Kinn zeigten sich schon einige Bartstoppeln. Geistesabwesend rieb sich der Mann über sein eigenes stoppliges Kinn und fragte sich, wie lange er wohl schon in diesem Labor eingesperrt sein mußte. Der Mann auf dem Tisch trug eine graue Hose und ein T-Shirt, auf dem ebenfalls die Doppelhelix abgebildet war. Das Gesicht des Stehenden wurde deutlich blasser und er stand wie zur Salzsäule erstarrt da. Der Mann, der vor ihm auf dem Tisch lag, sah genauso aus, wie das Bild das er jeden Morgen im Spiegel sah. Er konnte sein Zwilling sein. Der Mann sog zischend die Luft durch die Zähne und wandte sich ab. Jonas sah die Szene und notierte dann etwas auf seinem Klemmbrett, wobei er die Anzeigen sorgfältig studierte, die ihm die Computer auf das Interface übermittelten. Die Daten stammten von einer Sonde, die er zuvor den beiden Männern in den Nacken implantiert hatte. Er prüfte die Werte, die ihm von dem Bewußtlosen übermittelt wurden und nickte zufrieden. Unterdessen sah der Mann ein Armband am Handgelenk des Bewußtlosen. Er wollte es sich näher ansehen, doch Jonas trat von hinten an ihn heran und legte ihm die Hand auf die Schulter. Der Mann zuckte unwillkürlich zusammen.

“W-was haben Sie getan?” stammelte er verwirrt. “Wer ist das?”

 Er rieb sich die Schläfen und taumelte zurück zu seiner Liege, wo er sich auf den Rand setzte. “Was ist mit mir geschehen?”

“Ich werde versuchen es Ihnen zu erklären”, sagte Jonas. Er war nun etwas sicherer als zuvor und bat den Mann nun selbstsicher an einen Tisch, der sich in der anderen Ecke des Raumes befand. Er wahrte auch nicht mehr einen so großen Abstand zu ihm. “Sie sind Teil eines Experimentes.”

“Waas?”

“Um ehrlich zu sein, Sie sind die eine Hälfte des Experimentes und er”, er deutete auf den Bewußtlosen, “ist die andere.”

“Ich verstehe nicht”, der Mann war zutiefst verwirrt, konnte keinen klaren Gedanken fassen. Er war nicht ganz fähig, das eben gesehene zu verarbeiten. Wie war das möglich, ein Mann der genau so aussah wie er selbst. Er hob die Hand zur Stirn, rieb sich den Nasenrücken und bemerkte dabei ein Armband an seiner linken Hand. Es war ein Armband ähnlich wie die, die man in Krankenhäusern bekommt und es sah genau so aus wie das, das er am Handgelenk des Bewußtlosen gesehen hatte. Er erkannte auf dem Armband einen Strichcode, mehrere Zahlen und seinen Namen: Benjamin Carter.

 

~Kapitel 2~

 

“Was haben Sie getan?” fragte er fassungslos.

“Nun ich habe eine Technik entwickelt um gewisse DNA-Stränge zu separieren, eine Technik, die es mir erlaubt einen Menschen zu duplizieren...”

“Sie meinen, er ist ein Klon?” fragte der Mann namens Carter. Er war zwar nicht so versiert in Medizin und wußte auch nicht, in wieweit die moderne Gentechnologie fortgeschritten war, doch in seinem Kopf schrillten alle Alarmglocken als er die Erklärung des Doktors hörte.

“Wenn Sie mich vielleicht ausreden lassen würden, könnte ich Ihnen erklären, daß es viel einfacher, aber auch viel komplizierter ist, als Sie sich vorstellen”, versuchte Jonas eher zögernd zu erklären. “Zunächst einmal ist er kein Klon, wie Sie vermuten. Er ist Sie.”

“Aber wie ist dies möglich...” Carter wollte zu einer weiteren Frage ansetzen, da lenkte ein Alarmton den Doktor ab. Er betätigte einige Tasten an seinem Interface und nahm dann einen Injektor vom Tisch, den er mit einer blauen Flüssigkeitsampulle füllte und dann in die Tasche seines Kittels steckte.

“Warten Sie hier”, bat er Carter und wandte sich dann dem anderen Mann zu, der gerade aus seiner Bewußtlosigkeit erwacht war. Er zerrte an seinen Fesseln, nachdem er schnell seine Lage erkannt hatte. Er war nicht so benommen wie Carter nach dem Erwachen und seine blauen Augen funkelten umher, tasteten jeden Winkel, den er von sich aus sehen konnte ab. Sie hasteten verängstigt von Ecke zu Ecke, spiegelten jedoch auch Haß und Empörung wieder. Er wollte nicht gefesselt sein, fühlte sich hilflos und das gefiel ihm überhaupt nicht. Zornig verlangte er in erheblicher Lautstärke, man solle ihn losbinden, ein Wunsch, den Jonas ihm nicht so ohne weiteres erfüllen wollte. Der Arzt trat an den Tisch heran und redete beruhigend auf ihn ein, wobei er aber einen genügend großen Sicherheitsabstand wahrte, trotz der Fesseln.

“Wer sind Sie zum Teufel!” fauchte der Mann Jonas an. “Wo bin ich!”

“Mein Name ist Jonas, Dr. Jonas”, stellte sich Jonas vor und bemühte sich um eine ruhige Stimme, während er sich einige Notizen auf seinem Block machte, die Spritze noch immer in der Tasche seines Mantels versteckt. “Ich werde alle Ihre Fragen beantworten, sobald Sie sich beruhigt haben.”

 Doch der zornige Mann auf dem Tisch dachte nicht daran, sich zu beruhigen. Statt dessen zerrte er noch stärker an den Fesseln, so daß Jonas befürchten mußte, sie könnten nachgeben. Carter war ebenfalls vorsichtig nähergekommen, hielt sich aber noch im Schatten, der tobende Mann konnte ihn nicht sehen., noch nicht. Er schrie, man solle ihn freilassen, bäumte sich auf, doch noch hielten die Fesseln, obwohl sie schon bedenklich knarrende Geräusche von sich gaben. Jonas sah keine Möglichkeit, an den Mann heranzukommen, um ihn zu beruhigen und machte sich eine gedankliche Notiz, bei nächsten Versuchen die Injektionsvorrichtung zu implantieren, die er entwickelt hatte. In dem Moment, in dem Carter ins Licht trat, rissen mit einem lauten Knirschen die Fesseln des Mannes. Er war so überrascht, daß er sich einen Moment lang beruhigte und darüber nachdachte, was er als nächstes tun wollte, da sah er Carter. Er hielt ihn zunächst noch für einen weiteren Arzt, doch dann sah er sein Gesicht und war wie erstarrt. Diesen Augenblick nutzte Jonas, holte den Injektor aus der Tasche und entlud das kleine Gerät mit einem leisen Zischen, als er es an den Unterarm des Mannes hielt. Es war ein starkes Beruhigungsmittel, so daß der Mann augenblicklich erschlaffte und auf die Liege zurücksank. Jonas entfernte die zerrissenen Fesseln und ersetzte sie durch neue, die in die Diagnoseliege eingelassen waren, aus molekular verdichtetem Durastahl, die mit einem Klicken in ihre Schlösser schnappten. Dann drehte er sich zu Carter um, der wieder merklich an Gesichtsfarbe verloren hatte.

“Das bin nicht ich”, stammelte er. “Das bin nicht ich. Sie haben gelogen, das ist ein Tier!!!”

“Ich denke, wir sollten uns doch dort drüben”, Jonas deutete auf den Tisch, “weiter unterhalten, Mr. Carter.”

Carter folgte dem Doktor, der unterwegs die Spritze auf den Metalltisch zurücklegte zu dem Tisch und ließ sich schwer auf einen der Stühle fallen. Jonas musterte ihn nachdenklich.

“Ich sagte nicht daß er Sie ist, jedenfalls meinte ich es nicht direkt”, begann er seine Ausführungen, die sich Carter nur widerwillig anhörte.

“Ich verlange eine Erklärung!” forderte Carter, seine Stimme klang aber ziemlich schwach.

“Ich sagte Ihnen ja schon bereits, daß Sie Teil eines Experimentes sind, genau so wie er...”

“Sie haben mich geklont, nicht wahr, Doktor?” fragte Carter niedergeschlagen, er blickte ins Leere.

“Nun nicht direkt”, begann Jonas vorsichtig. “Ich möchte es so formulieren. Ich habe eine Technik entwickelt, die es mir ermöglicht einen Menschen zu duplizieren. Es ist nicht direkt Klonen, vielmehr die Möglichkeit einen Spiegelzwilling zu erschaffen. Er”, er deutete in Richtung des Bewußtlosen, “ist in gewisser Weise Sie, Ihre dunkle Hälfte sozusagen. Nun, das Verfahren ist noch nicht perfekt, aber...”

“Meine was?!” Carter sah Jonas direkt an, seine Augen wirkten jedoch lethargisch.

“Er ist Ihre dunkle Seele”, erklärte Jonas mit nicht unterschwelligem Stolz für seine Arbeit, die ihm sicherlich irgendwann einen Nobelpreis und den Ruhm, den er sich schon immer gewünscht hatte, bringen würde. “Er ist die Verkörperung Ihrer dunklen Wünsche, Triebe, Aggressionen und Gewalt. Er ist das, was Sie immer tief in sich verborgen halten, Ihr anderes Ich.”

“Aber ich verstehe nicht”, sagte Carter schwach. Er war fassungslos. Wie konnte jemand etwas unethisches  tun, er hatte sich nicht einmal freiwillig gemeldet. Das letzte woran er sich noch erinnern konnte, war ein Jogginglauf im Park, mit seinem Hund, dann war er wieder auf dem Tisch aufgewacht, gefesselt. Aber er konnte keine Aggression gegen den Doktor aufbringen, so sehr er sich auch anstrengte. Welchen Nutzen hatte man von diesem Experiment, wer würde von einer solchen Möglichkeit profitieren können? Carters Gedanken drehten sich nur um diese eine Frage.

“Einfach ausgedrückt”, sagte Jonas und achtete genau auf die Reaktionen, die Carter auf die Eröffnung zeigte. “Er ist kein Klon, nur ein Spiegelbild von Ihnen, genau so der echte Benjamin Peter Carter wie Sie es sind.”

Carter sank hilflos in sich zusammen. Er konnte noch immer nicht fassen, was er hörte.

“Ich habe eine Maschine entwickelt, eine Technik, die es mir erlaubt die dunklen Emotionen, die tief in Ihnen verborgen sind, hervorzuheben und zu isolieren. Die Details dürften Ihnen nichts sagen, da Sie kein Wissenschaftler sind”, sagte Jonas, mit dem Ergebnis seines Experimentes vorläufig zufrieden. In Gedanken machte er sich eine Notiz, bei seinem nächsten Experiment nicht nur die dunklen Eigenschaften in einer Person zu verstärken, sondern auch die andere brauchbar zu machen, durch geistige Fähigkeiten beispielsweise. Er stand auf und verließ Carter, ließ ihn allein mit seinen Gedanken.

 

Kapitel 3-6